„Ich bin oft angelogen worden“

Petra Ramsauer zu Gast beim Freischreiber-Stammtisch

Mit ihrer ausgewiesenen Expertise für den Nahen Osten und Krisengebiete musste sich Petra Ramsauer in ihrer Zeit als freie Journalistin in den vergangenen zehn Jahren wenig um Akquise kümmern. Geholfen hat dabei auch ihre Erfahrung als Angestellte in den 18 Jahren davor: Zuerst als Reporterin bei Ö3 und Radio Wien, dann Redakteurin bei der Tageszeitung Kurier mit Schwerpunkt Umwelt, dann zehn Jahre beim Nachrichtenmagazin News als Auslands- und Krisenreporterin, zuletzt Leiterin der Auslandsredaktion. 2008 kündigte sie wegen scharfer Einsparungen und machte sich selbstständig. Als sie nach Nordafrika reiste, um über den „Arabischen Frühling“ zu berichten, stellte sie mit Erstaunen fest, dass fast alle AuslandskorrespondentInnen und -reporterInnen Freie und sehr viele weiblich sind. Die Redaktionen schicken heute keine angestellten RedakteurInnen mehr, weil diese für diese Einsätze zu teuer sind – auch wegen der Versicherungen für Unfall und Tod in Krisengebieten. Makaber.

Sie sei anfangs in viele Sackgassen gelaufen und „ich bin irrsinnig oft angelogen worden“, erzählt sie beim Freischreiber-Stammtisch am 12. März 2019. Es habe lange gedauert, bis sie draufgekommen sei, dass sie Synergien brauche. Freier Journalismus funktioniert nur, hat Petra Ramsauer erkannt, wenn man seine Expertise auch in Büchern veröffentlicht und dadurch zu Vorträgen eingeladen wird. Mit Büchern verdiene man kein Geld, aber mit den Vorträgen.

Petra Ramsauer hat als Freie immer nur für Printmedien gearbeitet, also nicht trimedial, allerdings für audiovisuelle Medien kommentiert. Ihre Reisen finanziert sie seit einiger Zeit selbst und versucht dann, möglichst viele Geschichten an verschiedene Medien zu verkaufen. Beziehungsweise kommen die Redaktionen eher von sich aus und bitten um eine Geschichte, weil sie selbst keine ReporterInnen in die jeweiligen Länder und Krisen schicken können oder wollen. Der Aufwand für solche Reisen ist oft hoch, weil neben den reinen Reisekosten auch Dolmetscher, Fixer (Leute von vor Ort, die für JournalistInnen Kontakte knüpfen, Vorrecherche machen, die Gegend kennen, Fahrer und Übersetzer organisieren uvm.), Fahrer, ev. Sicherheitspersonal, Visa usw. bezahlt werden müssen. Eine große Schwierigkeit ist auch, dass JournalistInnen meist nur mit Visum in solche Länder und Regionen reisen dürfen, diese oft schwer zu bekommen sind und üblicherweise der Brief einer Redaktion verlangt wird, die bestätigt, dass die Journalistin in deren Auftrag reist. Für Freie eine große Herausforderung.

Obwohl Petra Ramsauer so erfahren ist, ihre Arbeit so gefragt und die Recherche vor Ort oft gefährlich, wird sie meist nicht besser bezahlt, als eine Freie, die im Nachbardorf über die Blasmusik recherchiert – zugespitzt ausgedrückt. Das hat uns erschüttert und dann verärgert. Zu Recht sagte Petra Ramsauer: „Ich fühle mich ausgenutzt von den Redaktionen.“ Denn weil plötzlich alle panisch sind nach den erfundenen Reportagen beim Spiegel, verlangen die Redaktionen jetzt auch noch alle Kontaktdaten der Informanten von den Freien – also den einzigen Schatz, den man hat.

Aus ihrer langjährigen Erfahrung hat Petra Ramsauer uns auch ein paar Tipps für Freie mitgegeben:

  • Nie nur auf einen Auftraggeber setzen.
  • Wenn die Bezahlung schlecht ist, aber man die Geschichte trotzdem machen möchte, andere Vorteile oder Entgegenkommen aushandeln.
  • Recherchen mehrfach verwerten bei verschiedenen Medien in mehreren Ländern.
  • Bei (schwierigen) Auslandseinsätzen vor Ort mit internationalen KollegInnen zusammenarbeiten (z.B. Übersetzer oder Fahrer gemeinsam nutzen) und so Kosten sparen.
  • Ein ordentliches Briefing verlangen.
  • Gute Qualität abliefern!
  • Wer etwas kann, soll das auch selbstbewusst anbieten.
  • Sich spezialisieren auf ein Thema.
  • Auch Redaktionen sind unter Druck. Gib deinen Auftraggebern das Gefühl, dass du alles im Griff hast und sie sich keine Sorgen machen müssen.
  • Wenn ein Text kritisiert wird, nicht beleidigt sein. Nachfragen, woran es gehakt hat, und daraus lernen.